Trotz Erfolg bodenständig geblieben
Siegfried Freyler ist ein Unternehmer alter Schule
Ein Mann ist so alt, wie er sich fühlt“, sagt Siegfried Freyler. Und wenn es danach ginge, schmunzelt der 68-Jähri-ge, sei er noch sehr jung. Bekannt wurde Siegfried Freyler in der Region durch seine Industriebauten. Das Stammwerk, das er mittlerweile verkauft hat, steht in Kenzingen, Tochterbetriebe sind bundesweit verteilt, eines ist in der Schweiz beheimatet. 320 Mitarbeiter, davon 20 Auszubildende hat der Betrieb.
„Als Kind“, erzählt er, „wollte ich Fliesenleger werden.“ Damals sei er oft auf Baustellen herumgestreift. „Das war unser Spielplatz.“ Er habe sich dann aber doch für den Schlosser entschieden. Bereut hat er die Entscheidung nicht. Mit 24 machte er sich als Ein-Mann-Betrieb selbstständig, bald kamen der erste Geselle und zwei Lehrlinge dazu. Die Meisterschule hat er neben seiner Selbstständigkeit in der Abendschule absolviert. Danach hat er, ebenfalls abends, noch eine technische Ausbildung angehängt.
„In den Anfangsjahren fuhr ich bis zu 150000 Kilometer im Jahr mit dem Auto durchs Land“, erinnert er sich an seine „Sturm- und Drangzeit“. Aber: „Ich war nie unverantwortlich und ich hatte nie einen Unfall.“
„Ich hatte damals schon ein Autotelefon. Da war der halbe Kofferraum voll“, erzählt er lachend. Später war das Gerät nur noch Handkoffer groß.
Trotz seines Erfolgs ist Freyler bescheiden geblieben. „Vor Ihnen sitzt ein Volksschüler“, gibt er unumwunden zu. Als Sohn eines Landwirts habe er den Eltern auf dem Feld helfen müssen. „Da wurde nach der Schule der Ranzen in die Ecke geworfen und gearbeitet. Und wenn es dann am Ende des Jahres schlechte Noten gab, gab es noch eine hinter die Löffel“, erinnert er sich.
Seine Kindheit hat ihn geprägt und sich auf seine Stellung als Chef ausgewirkt. Wenn sich später ein Hauptschüler bei ihm bewarb, schaute er sich nicht nur die Noten an. Auch die Persönlichkeit des Jugendlichen und das Elternhaus waren ihm wichtig. „Ein guter Hauptschüler war mir immer lieber als ein schlechter Mittelschüler.“
Kinder sollten sich entwickeln dürfen
Kinder sollten sich erst einmal entwickeln können. Mit sanfter Führung und ohne Gewalt, sagt der Vater von vier Töchtern. Ob ihn der fünf-Frauen-Haushalt geprägt habe? „Ganz sicher“, lacht er und seine blaugrauen Augen blitzen. Zwei seiner Mädchen sind heute noch im Betrieb. Petra, die älteste ist im Stammwerk in der Lohnbuchhaltung tätig, Ulrike die jüngste ist in der Geschäftsführung des Nestler Carrées in Lahr involviert.
„Das Nestler Carrée war auch so eine Geschichte“, schmunzelt der Seniorchef. Das Anwesen mit Betriebsgebäuden des ehemaligen Herstellers von Zeichengeräten sollte nach der Insolvenz versteigert werden. Er hatte in der Zeitung davon gelesen. Fast hätte er den Versteigerungstermin im Amtsgericht in Lahr verpasst. Und den Handelsregisterauszug des Freyler-Unternehmens, den er vorlegen sollte, hatte er auch noch vergessen. Ein Mitarbeiter brachte ihm diesen gerade noch rechtzeitig. Freyler hatte seine eigene Taktik beim Steigern. Er setzte sich ein Limit. „Das hab ich bei jeder Versteigerung so gemacht. Und ich bin nie drüber gegangen.“ Damit sei er immer gut gefahren.
Erst wollte er auf dem Areal ein Kino bauen. Doch kurz vor Umsetzung brach das Hoch im Kinosektor ein. Die Pläne landeten in einer Schublade, es ging erst mal nichts mehr. Was er dann aber im Laufe der vergangenen zehn Jahre aus dem Areal machte, kann sich sehen lassen. Das Bau- und Wohnberatungszentrum (BBZ) mit der vorgesetzten Glasfassade, und die sanierten denkmalgeschützten Häuser entlang der alten Bahnhofstraße, die außen ganz sanft wieder hergerichtet wurden, zieren die Einfahrt der Stadt Lahr. Derzeit wird das letzte Gebäude der Zeile saniert und zu einem Haus der Gesundheit umgebaut, in dem vor allem Ärzte aber auch andere Praxen neue Räume beziehen können.
Für Siegfried Freyler gab es immer ein Motto, nach dem er Menschen beurteilt hat. „Wer nicht mit Tieren umgehen kann, kann auch nicht mit Menschen umgehen.“ Er selbst hatte schon immer Schäferhunde.
Siegfried Freyler steht mit beiden Beinen im Leben. Der Unternehmer ist in Lahr bekannt für die gelungene Sanierung des Nestler-Carrées in der Alten Bahnhofstraße.
Quelle: Der Guller, Ausgabe 40 09.10.2011, © Foto: Bode